In der Kindheit
Der Modellbau und der Modellrennsport begleiteten mich gefühlt schon mein ganzes Leben. Als kleiner Bub bekam ich ein gelbes ferngesteuertes Auto zu Weihnachten geschenkt. Die Fernbedienung war hier noch mittels eines Bowdenzugs und Kabel verbunden. Hier musste man noch hinterherlaufen. In einem anderen Jahr zu Weihnachten bekamen mein älterer Bruder und ich zusammen eine Prefo Autorennbahn. Das war für mich der Einstieg in den Modellbau. Das erste Funkferngesteuerte Auto war ein Lamborghini Countach aus dem Quelle-Katalog. Es war noch ein Spielzeug, jedoch mit 31km/h (Werksangabe) ein sehr schnelles Spielzeug. Zum siebenten Geburtstag bekam ich einen Konstruktionsbaukasten von FERO-Construc. Ab da begann mein Gehirn in Geometrien zu denken. 😊 Ich arbeite heute noch als Konstruktionsingenieur.
Als Jugendlicher
Zum 14ten Geburtstag bekam ich von meinen Eltern ein eigenes Fahrrad. Also schraubte ich auch an Fahrrädern. Mit 16 übernahm ich die Simson S51 von meiner Schwester und bastelte auch hier herum. Mehr Leistung und sattere Bremsen. Mit 17 Jahren begann ich eine Ausbildung als Karosserie- und Fahrzeugbauer, zu Deutsch: Blechbatcher. Hier durfte ich an echten Autos basteln.
Als junger Erwachsener
Nach der Ausbildung machte ich mein Fachabitur. In dieser Zeit kaufte ich mir meine erste Gartenbahn. Eine Startpackung von LGB. Zu meiner Deutschprüfung kam dann auch mein Junge zur Welt. Endlich ein Spielkamerad. 😊 Im Anschluss sind wie von Erfurt nach Zwickau gezogen. Dort begann ich ein Studium für KFZ-Technik. Da es zu dieser Zeit schon eine RC-Car Rennstrecke gab und noch einen waschechten Modellbauladen, kaufte ich mir meinen ersten Glattbahner. Es dauerte nicht lang, da kam auch schon der zweite Nachwuchs. Ich glaube, meine damalige Frau ist heute noch sauer, weil ich gleich nach der Geburt von unserem ersten Mädchen direkt danach zur Rennstrecke gefahren bin. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mir die Carrerabahn gekauft habe. Zumindest war es mir wichtig, daß die beiden kleinen die Drücker in der Hand halten konnten. Die Carrera-Rennbahn wurde damals noch vierspurig aufgebaut. Im Studium baute ich einen Kyosho F-Ten um. Der bekam einen geschlossenen Unterboden. Einfach mal das gelernte umsetzen. Vorne saugte dieser die Laubblätter an und schleuderte sie hinten nach oben. Der fuhr sich (ohne Heckflügel) wie auf Schienen. Einfach nur geil, nur leider im Reglement nicht zugelassen. Am Ende meiner Studienzeit kam auch noch eine kleine Nachzüglerin zur Welt.
Im Mittelalter
Nach dem Studium ging es zu fünft Richtung Stuttgart. Hier begann dann auch die HPI LRP Challenge Zeit. Ein Kommilitone und ich fuhren die Super-EP Klasse mit. Zur ersten Saison fuhren wir nur hinterher. In der zweiten Saison konnten wir so halbwegs mithalten. Doch ab der dritten Saison ging es richtig vorwärts. Ich kannte da jemanden. Von ihm bekam ich eigene gepuschte und selektierte Akkus. Die hatten einen sehr geringen Innenwiederstand, auch unter Last. Unser Motto war: «Heiß rein und heiß wieder raus.» Mein Bekannter hatte auch einen Motortester und eine Kollektordrehbank im die Bürstenmotoren zu bearbeiten. So erreichte ich das Limit und fuhr immer vorne mit. Da kahm dann ein Pokal nach dem Nächsten. Einfach nur geil. Diese ganze Truppe fühlte sich auch wie eine große Familie an.
Leider kam dann auch eine Zeit, die nicht so schön war. Eine Scheidung, jede Menge Forderungen, Streit um das Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht usw. Regelmäßige Elternkonsensgespräche. Im Nachhinein kann ich nur sagen, daß ich meiner Exfrau dankbar für diese Zeit bin. Ich konnte dadurch wachsen. Jetzt weiß ich auch, was ich in der Ehe falsch gemacht habe.
Im C-Zeitalter, Ende 2020, hatte ich etwas mehr Freizeit und habe angefangen meine alte MZ TS 250 aus dem Jahr 1973 zu zerlegen. Als erstes kamen die Räder raus, die Reifen runter, die Speichen heraus geflext, Nabe und Felge blank poliert, Lager getauscht, alles wieder eingespeicht, zentriert, neue Reifen drauf und ausgewuchtet. Danach wurde weiter zerlegt und der Lack komplett entfernt. Hierfür hatte ich mit eine provisorische Sandstrahlkabine gebaut. Eine Lackierkabine musste auch noch her. Diese bestand lediglich aus Dachlatten und Folie. Lackieren habe ich dann auch noch gelernt. YouTube Tutorials sei Dank. Entfetten, Grundierung, Basislack und Klarlack. Wie schön alles danach aussah. Am schönsten war der Teil, als der Rahmen auf der Holzwerkbank stand und Teil für Teil drankamen. Die Gabel wurde überholt und sämtliche Gummiteile erneuert. Etwas Denksport war für die Symbiose von dem TS-, ETZ-Motor- und Vape-Zündungskabelbaum erforderlich. Aus dem 3D-Drucker kamen dann auch noch ein Halter für die Elektronik. Nach etwa einem Jahr, eine gefühlte Einlauffase von etwa 500 km, wollte ich es wissen. Bei einer längeren Ausfahrt wollte ich den Vollastbereich testen. Ich habe mein Schatzi vorher über das Headset bescheid gegeben. Sie war mit ihrer Harley hinter mir. Die Finger an der Kupplung und den Hahn komplett auf. Nach drei vier Minuten kam dann der Kolbenklemmer. Mein Schatzi sagte noch: „Wieso bremst Du?“ Dann habe ich bei 100km/h den Motor wieder angerollt. Zu Hause kam der Zylinder wieder raus. Der Kolben wurde vermessen und es ergab falsche Werte. So ein Kolben darf nicht zylindrisch sein. Die Nachbaukolben aus den 2000ern hatten nicht die richtigen Maße. Ein Kolben dehnt sich nun mal unterschiedlich aus. Also bestellte ich einen Mahle Schmiedekolben und honte den Zylinder aus. Das Spiel begann von vorn. Vergaser einstellen, abstimmen, da musste ich mich erst einmal einlesen. Die richtige Bedüsung finden. Es braucht das richtige Zusammenspiel von Umluftgemisch im Leerlauf, die richtige Höhe der Vergasernadel im Teillast und die Hauptdüse für den Volllastbereich. Ob alles passt, verrät einem das Kerzenbild. Rehbraun soll sie sein. Ich glaube, hierfür sollte ich mal eine extra Seite erstellen.
In der C-Zeit lernte ich auch mein Schatzi kennen. Sie arbeitete eine lange Zeit als Türsteherin und als Security bei der DTM. Das Tollste ist, sie mag meine Spielsachen. Jackpot. Jetzt habe ich auch meine Lebensfreude wieder. Wenn ich mir ein neues Modellauto kaufe, heißt es nicht, wozu brauchst du das, sondern, zeig mal. Hier im Raum Stuttgart gibt es gleich mehrere RC-Car Vereine und Slotcar Strecken. Ich kann wieder Fahren, schrauben, ausprobieren usw. Mein Wissen mit anderen Menschen teilen und Rennen fahren.